RAMPENSAU

Bildschirmfoto-2015-06_optDie Rollschuhszene in Stuttgart Ende der neunziger Jahren war groß. Es sind sogar Wettkämpfe in der Halfpipe abgehalten worden.

Dann ließ der Trend nach.

Es kamen Skateboards, Inline-Skates und BMX-Fahrräder. Und für die Rollschuhe gab es keine Ersatzteile mehr. Oder man mußte bis nach Paris fahren um noch an Ersatzteile zu kommen. Das größte Problem war, Rollen für die Schuhe zu finden: Longboards haben größere, Inline-Skates haben viel schmalere Rollen. Heute gibt es einen weltweit neu aufgelegten Markt an Rollschuhen, Plates, Rollen und Kugellagern. Maßgeblich inspiriert durch seine aktiven Vorbilder in Amerika. Wie eben Michelle Steillen.

Bildschirmfoto 2016-03-04 um 09.26.41Michelle Steillen  Ein Kunststück auf der Half-Pipe

Michelle Steillen alias ,,Estro Jen“ verbringt jede freie Minute auf der Rampe. In Beton-Skateparks weltweit.

Wir treffen sie in L.A.

Seelenruhig zieht sie sich ihre verspielten, roten Hello Kitty Rollschuhe an bevor sie sich eine 20 Meter hohe Rampe runterstürzt. Ohne Protektoren, ohne Helm. Über 16.000 Menschen verfolgen sie täglich auf Instagram. Sehen dabei zu wie sie hinfällt und wieder aufsteht, sich blaue Flecken holt und Schürfwunden. Und wie ihr nebenbei waghalsige, ziemlich atemberaubende Stunts vor sonnig-kalifornischer Kulisse gelingen. Interessant für den deutschen Markt ist sie, weil sie mit dem Schlittschuhhersteller Riedell ihre eigene eigene Rollschuh-Linie ,,Moxi“ auf den Markt gebracht hat.

Bildschirmfoto 2016-03-04 um 09.26.33Ein Label das mit bonbonfarbenen Skates in hellrosa, türkis und lila weltweit Skaterinnen ausrüstet. Klassische Rollschuhe. Auch in veganer Ausführung erhältlich. Für Design, Marketing und Vertrieb ist sie auschließlich alleine verantwortlich. Alle Rechte darauf gehören ihr. Dank Instagram bekommt sie die Reichweite, kann sich selbst unter ihrem Roller-Derby-Namen „Estro Jen“ als Marke etablieren.

„Estro Jen“ das als Wortspiel auf ihren vermeintlich wütenden weiblichen Hormonenspiegel anspielt. Den Namen hat sie sich selbst als Mitglied der LA Derby Dolls und Mitbegründer der Angel City Derby-Mädchen gegeben. Damals meint sie „waren die Skates super häßlich“. Darin sah sie einen unerschlossenen Markt, denn „jede Frau inklusive mir will gut aussehen in ihren Skates“. In Long Beach ist sie außerdem bekannt, weil sie einen mit Leopardenmuster versehenen, umgewandelten Eiswagen fährt. Mit Rollschuhen beladen vermietet sie diesen für private Feiern und für improvisierte Roller Discos inklusive ihres Moxi Skate-Teams. Bestehend aus einer Besatzung von meist weiblichen Skatern aus der ganzen Welt. Ob sie den Erfolg bewußt geplant habe, fragen wir. ,,Ich wusste nicht, was ich tat. Ich weiß immer noch nicht, was ich tue. Aber es ist eine gute Geschichte. “

von Jens van der Boom und Bounce T.